Zwölf Alarmphasen führen vom Zwang, sich zu beweisen, bis zur totalen Erschöpfung – die ersten davon sind noch Normalität. Klaus Brüggemann zeigt, wo die Grenze zur Fachhilfe verläuft und wie Werte-Präferenztest und SCORE-Modell beim Gegensteuern helfen.
Richtet sich vor allem an Führungskräfte, Coaches, Gesundheitsberater, Personalleiter/innen und Angehörige.
Die wichtigste Aussage des Kurses ist eine Selbstbeschränkung. Für die späten Alarmphasen sagt Klaus Brüggemann unmissverständlich: „Finger von lassen. Ich sage, schicken Sie zu einem qualifizierten Psychologen.“ Ab Phase 9 gehören für ihn „Fachfrauen, Fachmänner mit ins Boot“, und für alles, was Richtung Depression oder Selbstmordgefährdung geht, wird er noch deutlicher: „Dann gehen wir ganz schnell in den Bereich der Fahrlässigkeit.“ Auch bei seinen eigenen Übungen zieht er die Linie selbst. Als er zeigt, wie man jemanden mit Fragen nach seinen Glücksmomenten aus der Alltagsfrustration holt, schiebt er nach: „Schicksal ausgenommen. Es gibt bitter, bitter, bitter böse und traurige Schicksale … Darüber sprechen wir nicht.“
Brüggemann spricht nicht von außen über das Thema. „Ich selber damals war, glaube ich, schon in der Phase 10“, sagt er über seine Zeit im Profifußball – und das trotz drei- bis viermal Sport pro Woche bei 14-Stunden-Tagen. Was ihm der Psychologe damals mitgab, gibt er weiter: „Herr Brüggemann, was Ihnen am meisten fehlt, ist Gelassenheit.“ Dass er überhaupt hinging, verdankte er dem Mannschaftsarzt; sein erster Reflex war ein anderer – „so ein alter Macho wie ich“. Genau deshalb schätzt er die frühen Phasen realistisch ein: Die Phasen eins bis fünf seien „noch ein Stück weit Normalität“. Kritisch werde es erst, wenn sie sich bündeln und „über einen längeren Zeitraum strecken“.
Wofür der Werte-Präferenztest gut ist, zeigt er an einer Karriere, die viele kennen: erst Hoteldirektor, dann Regionalmanager mit acht Häusern, dann Operation Manager für ganz Deutschland – jedes Mal mehr Geld, jedes Mal weniger zu Hause, bis am Ende der Satz steht: „war das damals schön, als ich noch Hoteldirektor war.“ Nicht der Aufstieg ist das Problem, sondern dass vorher niemand gefragt hat, welcher Wert oben steht. Zum Schluss erklärt er die Herkunft des Wortes Coach: „Heißt übersetzt der Kutscher.“ Der Kutscher sucht den Weg gemeinsam mit Ihnen – und er muss kein Profi sein: „der beste Coach ist wahrscheinlich vielleicht der Lebenspartner“. Man müsse es nur zulassen: „Das ist Stärke. Das ist keine Schwäche.“
Langjährige Managementerfahrung u. a. im Profisport. Zertifizierter Burnout-Berater, Mental- und Personaltrainer. Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und Buchautor.