🔎 Der Kurs im Detail
Warum von oben nach unten gearbeitet wird
Die Ausstreichung beginnt am Oberschenkel und wandert erst danach zum Unterschenkel. Der Grund liegt im Lymphgefäßsystem: „Die ganze Lymphflüssigkeit möchte immer in die Körpermitte.“ Wer oben zuerst ausstreicht, schafft Platz, um die Flüssigkeit von unten nachzutransportieren. Bemerkenswert ist, wie Martin Schöller diese Regel gleich wieder einordnet – es sei „nichts, was man merkt, was jetzt irgendwie ausschlaggebend wäre“, sondern „einfach nur für den Körper besser zu verarbeiten“. Dieselbe Überlegung erklärt später, warum die stehenden Kreise am Kopf vorwärts laufen: Auch das ist dem Lymphabfluss geschuldet.
Beim Lernen dreht er die übliche Reihenfolge um. Anatomie ist der zweite Schritt, nicht der erste. Zuerst gehe es darum, „die Griffe und das Haptische bei der Massage hinzubekommen“ und flüssig zu werden. Ursprünge, Ansätze und Muskelnamen kommen danach – auch deshalb, weil Kunden während der Behandlung gern wissen wollen, was man da eigentlich tut.
Was ein Griff eigentlich bewirkt
Ausstreichungen laufen im Verlauf der Muskulatur zur Körpermitte, die eigentliche Massage danach hoch und runter: „Wir haben alle Flüssigkeit auf ihren Weg gebracht.“ Hinter dem Knetgriff steckt ein Prinzip, das Schöller in einem Satz zusammenfasst: „Die Massage ist immer ein passives Dehnen der Muskulatur, und über dieses passive Dehnen der Muskulatur kommt es dann zur Entspannung vom Muskel.“ Am Rücken behandelt man deshalb immer die gegenüberliegende Seite – auf der eigenen käme man der Wirbelsäule zu nah. Und die Rückenmuskulatur verläuft „wie so ein V nach oben“, während die Rippen nach unten ziehen und die Richtung nur vermeintlich vorgeben.
Friktionen setzt er nur dort ein, wo beim Ausstreichen schon eine Verspannung aufgefallen ist. Es arbeitet dabei „an und für sich nur der Mittelfinger“ – und nicht zu lange, danach folgen wieder Ausstreichungen.
Details, an die man nicht denkt
Die Außenhand gehört nach vorne, sonst muss man sich wegdrehen und arbeitet krumm. Beide Hände bleiben so weit wie möglich am Körper, „sonst gibt es auch immer wieder welche, die denken, was macht er mit der anderen Hand“. Am Fuß gilt eine Regel, die überrascht: „Je fester man am Fuß arbeitet, desto weniger kitzlig ist es.“ Vor der Kopfmassage geht man sich kurz die Hände waschen, weil dort ohne Creme gearbeitet wird. Und am Ende bleibt man dabei, wenn der Kunde sich aufsetzt – nach einer Stunde Liegen kann der Kreislauf nachgeben.