Osteopath Thorsten Feller erklärt, warum ein Tape wirkt: Jede Zelle ist mit jeder verbunden, und schon ohne Zug hat das Tape 10 % Spannung, die die Schmerzrezeptoren in der Tiefe entlastet. Daraus folgt die Grundregel: entlasten heißt vom Ansatz zum Ursprung kleben.
Besonders geeignet für praktizierende Wellness- und Sportmasseure sowie Personal Trainer, Fitnesstrainer und medizinisch Ausgebildete wie staatlich anerkannte Masseure, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Heilpraktiker, die ihre Behandlungsmöglichkeiten um eine effektive Anlegetechnik erweitern wollen.
Da es sich um eine eigenständige Technik handelt, sind keine Vorkenntnisse nötig. Anatomische Grundkenntnisse sind von Vorteil.
Erfunden hat das Tape in den 80er-Jahren der Chiropraktiker Kenzo Kase, der vor einem praktischen Problem stand: Wie hilft man jemandem über die zwei Wochen bis zum nächsten Termin? Thorsten Feller leitet daraus das Wirkmodell über die Gewebsschichten her – und stellt es im selben Atemzug in den Rahmen: „Das ist ein Erklärungsmodell. Wissenschaftlich bewiesen ist das alles nicht. Es gibt auch noch andere Modelle.“ Er hält es trotzdem für plausibel und sagt, worauf es stattdessen ankommt: „Alles, was ich euch heute zeige, ist nur ein Wegweiser.“ Dieselbe Nüchternheit bei den Farben – sie wirken für ihn erst einmal alle gleich, die Zuordnungen der Farblehre sind psychologischer Natur. Wer unsicher ist, fragt schlicht den Kunden; der hat meist eine klare Vorstellung.
Der häufigste Anfängerfehler ist, am Tape zu ziehen. Bei Muskelanlagen macht Feller das Gegenteil: Er bringt den Muskel in Vordehnung – beim Trapezius über Beugung, Seitneigung und Drehung des Kopfes – und legt das Tape dann nur noch auf. Der Hauptzug entsteht durch die Vordehnung, nicht durch die Hand. Eine einzige Ausnahme nennt er selbst: den mittleren Anteil des Deltoideus, wo der Arm keine Vordehnung zulässt. Das sei „die einzige Muskelanlage, wo ich tatsächlich mal ein bisschen Zug ausübe aufs Tape selber“. Ob die Spannung sitzt, zeigen die Convolutions – die kleinen Wellen, die sich nach dem Aufkleben bilden. Auch die Grundregel hat eine Ausnahme: Am längs verlaufenden Rückenstrecker gilt nicht Ansatz zu Ursprung, sondern von caudal nach cranial, also von unten nach oben.
Neben „üben, üben, üben“ ist Anatomie der zweite Grundsatz; Feller empfiehlt einen Atlas oder eine dreidimensionale App. Gleichzeitig nimmt er den Druck heraus: Was im Atlas steht, treffe vielleicht auf 60 Prozent der Menschheit zu, und wer einen Wirbel danebenliegt, richtet keinen Schaden an. Beim Deltoideus verklebe man sich am häufigsten, weil Schultern so unterschiedlich gebaut sind – sein Rat: die Mulde suchen und lieber einen Zentimeter tiefer ansetzen. Am Knie sieht dieselbe Anlage im Stehen völlig anders aus als im Liegen. Dazu die Details, die man sonst schmerzhaft selbst lernt: die Haut mit Alkoholpads entfetten, bei starker Behaarung hält es auf Dauer nur rasiert – und nach dem Duschen das Tape nie föhnen, sonst wird aus dem Acrylatkleber ein Superkleber.
Staatlich geprüfter Heilpraktiker und Osteopath, tätig in eigener Praxis in Berlin.